Pressestimmen zum ersten Tag der Baseball-EM

„Greg Frady kennt Joachim Löw nicht persönlich, doch als Bundestrainer der deutschen Baseballmänner hat der Amerikaner die Entwicklung der Fußball-Nationalmannschaft aus der Ferne verfolgt – und sich einiges von seinem fußballerischen Gegenpart abgeschaut. [...] Mit seiner Arbeit hat Frady bei den Baseball-Verantwortlichen in Deutschland Begehrlichkeiten geweckt. „Ich hoffe, dass die deutsche Nationalmannschaft in Stuttgart endlich einmal gewinnen kann“, sagt etwa Martin Miller. Der ehemalige DBV-Präsident sitzt zwar zurzeit dem europäischen Verband vor, lässt aber wegen der EM in seiner Geburtsstadt Stuttgart die von Amts wegen gebotene Unparteilichkeit ein wenig beiseite. „Natürlich spielen wir, um ins Finale zu kommen oder eine Medaille zu gewinnen“, reagiert Frady selbstbewusst auf die auch aus seiner Sicht nicht unbedingt überzogenen Erwartungen. Um aber dieses Finale überhaupt zu erreichen, muss die deutsche Mannschaft in ihrer Vorrundengruppe erst einmal mindestens drei Siege in fünf Spielen schaffen. [...] Der Härtetest folgt aber direkt zu Beginn der kommenden Woche: Am Montag trifft Deutschland am zweiten EM-Austragungsort Heidenheim auf die Niederlande. Der europäische Rekordtitelträger hat von den 30 seit 1954 ausgespielten EM-Turnieren 20 für sich entschieden. Bei den vergangenen fünf Europameisterschaften hieß der Sieger jedes Mal Niederlande. Für Catcher Simon Gühring ist diese Dominanz aber überwindbar. „Die Lücke zu den Niederlanden, aber auch zu den anderen Favoriten Italien und Spanien, ist gar nicht so groß. Der große Unterschied ist, dass die eben schon Titel gewonnen haben, und wir noch nicht“, sagt Gühring.“
Frankfurter Allgemeine Zeitung

„Titelkämpfe vor heimischer Kulisse sorgen immer für einen Motivationsschub. So hoffen auch die deutschen Baseballer, dass sie mit der EM einen weiteren Schritt nach vorn machen. [...] Das Interesse aus dem In- und Ausland ist groß, der Kartenvorverkauf läuft besser als erwartet und die drei Stadien präsentieren sich in gutem Zustand. Übrigens war auch Ulm lange Zeit als Spielort im Gespräch, doch scheiterten die Pläne zum Bau eines neuen Stadions. [...] Bevor vom Finale geträumt werden darf, gilt es für die deutsche Vertretung, zunächst einmal die Vorrunde zu überstehen – und das wird schwer genug. Neben Top-Favorit Niederlande muss sich das Team auch mit Frankreich, das kurzfristig Verstärkung von der Karibik-Insel Saint Martin erhielt, und den traditionell starken Tschechen auseinandersetzen.“
Südwest Presse (Ulm)

„ Touchdowns für das Rampenlicht, Homeruns für mehr Aufmerksamkeit: Wenn am Ende dieser Woche die Europameisterschaften im Football und im Baseball beginnen, geht es für die deutschen Nationalmannschaften vor heimischem Publikum um mehr als nur den Titel. Öffentlichkeit soll her, Medienpräsenz und natürlich jede Menge Fans. Noch immer führen die beiden uramerikanischen Sportarten hierzulande allenfalls ein Schattendasen. Zu fremd scheinen vielen noch immer Spielablauf und Regeln. Ob die beiden Kontinentalturniere daran Grundlegendes ändern können, scheint fraglich. „Es ist ein Teufelskreis. Das Fernsehen zeigt Baseball nicht, weil sich nur wenige dafür interessieren. So lernen Kinder Baseball nicht kennen und spielen eben Fußball oder Handball”, klagt Simon Gühring. Der 27-Jährige ist Kapitän des deutschen Baseball-Teams, das sich trotz seiner kontinuierlichen Weiterentwicklung der letzten Jahre nie wirklich in den Fokus spielen konnte. Der vierte Platz bei den EM-Turnieren 2005 und 2007 – eine Randnotiz. Die WM-Partien in Deutschland in vergangenen Jahren – kaum wahrgenommen. Der fast schon jahrzehntelang erhoffte Baseball-Boom bleibt aus. Daran können auch deutsche Top-Talente nichts ändern. Zu weit scheint für sie immer noch der Weg in die alles überstrahlende US-Profiliga MLB. Der Regensburger Max Kepler-Rozycki ergatterte zwar einen relativ hochdotierten Vertrag bei den Minnesota Twins, für ein Debüt in der MLB dürfte der 17-Jährige jedoch nach Einschätzung der Experten frühestens 2015 bereit sein. Voraussetzungen sind harte Arbeit, starke Nerven und jede Menge Durchsetzungsvermögen in einem der unterklassigen Farmteams. Für die EM steht der Outfielder angesichts des straffen Plans nicht zur Verfügung. Stattdessen wollen sich Spieler der Heidenheim Heideköpfe oder der Gauting Indians zum Titel kämpfen. [...]“
Sport-Informations-Dienst (sid)

„Sein Medizin-Studium hat Dominik Wulf erfolgreich beendet. Im Winter fängt der Baseballer an, als Arzt zu arbeiten. Nebenbei schreibt er seine Doktorarbeit. Zeit für Baseball wird im Leben des seit Jahren im Alligators-Dress aktiven Spielers also rarer. [...] Dominik Wulf über die Ziele der deutschen Nationalmannschaft bei der heute in Stuttgart und Heidenheim beginnenden Europameisterschaft [...]: “Es geht nicht nur darum, eine möglichst gute Platzierung zu erreichen, sondern auch um eine insgesamt starke Präsentation.” 2013 findet wieder die World Baseball Classic statt, zu der die vermeintlich besten Nationalteams der Welt eingeladen werden. Das Ereignis hat deshalb einen Sonderstatus, weil dort auch die Spieler der amerikanischen Profiliga (MLB) vertreten sind. “Es wäre natürlich ein Traum, dort mitzuspielen”, sagt Wulf. Dafür müsste er freilich aktiv bleiben. Kurzfristig gilt es, eine erfolgreiche EM zu absolvieren. “Ich denke, ein Platz auf dem Treppchen ist realistisch. Wobei es auch nicht unmöglich ist, wirklich Europameister zu werden.” An einem guten Tag könne die deutsche Mannschaft die favorisierten Teams aus den Niederlanden und Italien schlagen. “Wir werden ihnen in jedem Fall auf Augenhöhe begegnen und keine Werfer für andere Spiele schonen.”
Rheinische Post (Düsseldorf)



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