“Ich will sie endlich mal schlagen”

Line-Up Wulf

Wulf ist seit Jahren fester Bestandteil der deutschen Startaufstellung (Foto: Drobny)

Stuttgart (tkd). Dominik Wulf, Infielder der Solingen Alligators, zählt zu den Stützen in den Planungen des Bundestrainers Greg Frady. In Stuttgart spielt Wulf seine sechste Europameisterschaft und ist nach Jendrick Speer und Simon Gühring, der Spieler mit den meisten Einsätzen.

Durch seine beiden Homeruns gegen Tschechien und Belgien ist der Third Baseman der Deutschen nun alleinige Inhaber dieser Rekordmarke.

Seit der Europameisterschaft in Bonn steht der angehende Arzt trotz Studium im Kader der Nationalmannschaft und wurde in der Bundesliga Nord zweimal zum wertvollsten Spieler gewählt (2004 und 2009). Neben einer Heim-Europameisterschaft will Wulf auch mal ein Turnier in Skandinavien erleben. Eine Chance die möglichen Gastgeber kennenzulernen hat er in der Finalrunde gegen das schwedische Team von Dennis Cook.

Das Presseteam konnte Wulf, der seine Karriere bei den Hochdahl Neanderthaler begann, kurz nach dem Frühstück zum Interview abfangen. Tobias Diehl sprach mit dem schlagstarken Infielder.

EM-Redaktion: 2001 war deine erste EM, welche Erinnerungen hast Du an das Turnier?

Dominik Wulf: Die EM in Bonn war meine erste in der Herren-Nationalmannschaft. Es war sehr aufregend für mich. Ich habe damals noch Second Base gespielt. Ich hatte Probleme mit dem Rücken und konnte nicht so spielen wie ich mir das vorgestellt hatte, deswegen war die EM offensiv für mich nicht so gut. Aber mit 18 war das eine super Erfahrung.

EM-Redaktion: Du hast mit einer Heim-EM angefangen, jetzt ist wieder eine. Sind die Turniere vor heimischen Publikum etwas besonderes?

Dominik Wulf: Es ist schon eine Motivation vor heimischen Publikum zu spielen. Natürlich will man auch noch neue Länder besuchen, die man nicht kennt. Wir haben aber jetzt schon viele Länder bereist, aber mir fehlt noch Skandinavien.

Zuhause macht es schon sehr viel mehr Spaß, weil die Zuschauer auf unserer Seite sind. Man spürt, dass ein größeres Interesse an unserer Mannschaft da ist. Und natürlich kommt hinzu, dass man in Deutschland immer eine hervorragende Organisation hat.

EM-Redaktion: Kannst Du Dich noch an Deinen ersten Homerun in der Nationalmannschaft erinnern?

Dominik Wulf: Da kann ich mich nicht mehr erinnern. Es müsste aber bei der B-EM in Regensburg gewesen sein. (Anm. d. Red.: Insgesamt waren es vier in Regensburg und Fürth)

EM-Redaktion: Wie schafft man es, den Homerun-Rekord zu brechen und nebenbei noch dem Beruf oder dem Studium nachzugehen und dann auch noch mit Teams mitzuhalten, die zum größten Teil aus Profi-Spielern bestehen?

Dominik Wulf: Mir wurde auch gesagt, dass ich spätestens im Hauptstudium (Anm. d. Red.: Medizin) keine Zeit mehr für Baseball haben würde. Aber ich hatte Glück, dass die Termine der Turniere oft in den Semesterferien lagen und einmal habe ich mir auch ein Freisemester genommen um Baseball spielen zu können.

Dass wir trotzdem noch auf dem Niveau mithalten können, ist einfach eine Einstellungssache. Der Wille zu gewinnen ist wichtig. Aber auch unsere gute Vorbereitung darf man nicht vergessen. Auch die Bundesliga, die oft kritisiert wird, ist meiner Meinung nach eine der besten Ligen in Europa.

EM-Redaktion: Wenn man sich die Ergebnisse gegen die Niederlande der vergangenen Jahre anschaut, dann ist das 0:3 von gestern eigentlich ein Erfolg. Oder ist das deutsche Team soweit zu sagen, dass es noch zu wenig war?

Dominik Wulf nach dem Niederlande-Spiel

"Es ist einfach an der Zeit sie zu schlagen," Wulfs Enttäuschung nach dem Spiel gegen die Niederlande war deutlich zu sehen (Foto: Eisenhuth)

Dominik Wulf: Es war in den letzten Jahren immer knapper und der Respekt der Holländer vor uns wurde immer größer. Früher haben die Holländer noch die schlechteren Pitcher gegen uns werfen lassen, jetzt müssen die sich schon mehr Gedanken machen. Man muss einfach sagen, dass es an der Zeit ist sie zu schlagen. Der Respekt ist da und die wissen was auf sie zukommt, wenn sie gegen uns spielen. Wir sind nicht enttäuscht, denn sie sind eine sehr gute Mannschaft. Aber ich will sie endlich mal schlagen.

EM-Redaktion: In der Finalrunde geht es auch gegen die Italiener. Wie siehst du Italien im Vergleich zu den Niederlanden und was erwartest Du vom Spiel.

Dominik Wulf: Gesehen habe ich noch nicht viel von Italien, sondern nur von den vielen Homeruns gehört. Aber das heisst ja noch nichts, wenn das Pitching nicht stimmt. Ich schätze sie auf ein ähnliches Niveau wie die Niederländer. Die italienischen Schlagleute gehen eher auf Distanz und die Niederlande sind eher diszipliniert in der Offensive und erarbeiten und erkämpfen sich die Punkte eher. Italiener gehen mehr auf die Show, also den Homerun. Trotz dieses Unterschiedes sind beide Teams auf einem ähnlichen Niveau.

EM-Redaktion: Du hast jetzt neun Homeruns in der Nationalmannschaft, wir wäre es den zehnten im Finale zu schlagen?

Dominik Wulf: Ich versuche keine Homeruns zu schlagen. Mir ist es egal wieviele Homeruns ich schlage,  wenn wir gewinnen, dann freue ich mich. Wenn wir alles gewinnen und ich keinen Hit mehr schlagen kann, dann ist das super.

EM-Redaktion: Jendrick hat hier den Länderspielrekord aufgestellt. Muss er sich noch fürchten, dass Du ihn überholst?

Dominik Wulf: Wir spielen schon seit Jahren zusammen in der Nationalmannschaft. Und ich glaube das Jendrick noch länger dabei sein wird als ich. Aber man kann nie wissen.

Wulf verliert den Schläger

Eigentlich hat Wulf in der Nationalmannschaft alles im Griff (Foto: Eisenhuth)

EM-Redaktion: Seit 2001 bildest Du mit Simon Gühring, Tim Henkenjohann, Jendrick Speer und einigen anderen das Grundgerüst in der Nationalmannschaft. Ist es ein Vorteil, dass das ihr schon so lange zusammenspielt?

Dominik Wulf: Ich glaube schon, dass es ein großer Vorteil ist. Die Holländer haben jedes Jahr andere Gesichter dabei. Wir wissen wo wir herkommen, wie es war als wir angefangen haben und haben uns so unser Selbstvertrauen erarbeitet, das wir früher eben noch nicht so hatten.

EM-Redaktion: Das Ziel vor der EM war eine Medaille. Nach dem bisherigen Verlauf – wäre der dritte Platz genug für Dich?

Dominik Wulf: Natürlich war das ein Ziel, aber mir reicht es nicht. Auch wenn es die höchste Platzierung ist, die ich persönlich je erreicht hätte. So lange wir noch Chancen haben mehr zu erreichen, dann will ich das auch schaffen.

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