Die Schattenmänner

Stuttgart (mos). Häufig stößt man im allgemeinen Sprachgebrauch auf den Begriff der “Mannschaft“ und meint damit die Spieler auf dem Rasen. Dass es aber auch im Baseball ohne die vielen helfenden Hände hinter den Spielern nicht geht, zeigt dieses Turnier ganz eindeutig. Nichts ist unmöglich für den Betreuerstab der deutschen Nationalmannschaft: So besorgten sie flugs während des Samstagsspiels gegen Tschechien neue Schuhe für Pitcher Enorbel Marquez Ramirez, als seine im zweiten Inning den Geist aufgaben. Teamarzt Christian Teusch griff zum Telefon, Betreuer Tobias Renner düste los – und in Windeseile war das Problem gelöst.

Tobias Renner, Christian Teusch, Michel Gomez, Martin Russ (v. li.) Foto: (c) Eisenhuth, G.

Im Normalfall haben die beiden, Physiotherapeut Martin Russ sowie der alles verantwortende Sportdirektor Michel Gomez eine kurze Ruhepause, während die Nationalspieler auf dem Platz stehen. Dennoch sieht man sie meist übernervös am Rande des Dugouts mit der Mannschaft fiebern, nachdem sie tagsüber dafür gesorgt haben, dass die Nationalteam-Maschinerie wie geschmiert läuft. „Ich versuche, alles so zu arrangieren, dass sich Trainer und Spieler nur auf die Spiele konzentrieren müssen“, sagt Tobias Renner. Vom Trainer bekommt das Team seinen Tagesplan. Wann es wo nach dem Spiel was zu Essen gibt, wann der Bus wo sein soll, das koordiniert der Betreuer. Und er kümmert sich auch darum, dass die Mannschaft jeden Tag mit sauberen Trikots auflaufen können.

Apropos Uniformen: Prinzipiell sind die Deutschen ja anspruchslos. Nur wenn es um ihre Hosen geht, dann kann’s kompliziert werden. Denn ganz uneitel sind die Burschen nicht: War es bis vor kurzem noch in Mode, das Beinkleid eher weit und tief zu tragen, ist jetzt die engere Variante angesagt. „Da mussten wir dann halt mal schnell kurz vor Start einen neuen Satz Hosen besorgen, weil sie das vorher nicht gesagt haben.“

Die medizinische Abteilung mit Teusch und Russ, bezeichnenderweise in der Hotelsuite untergebracht, ist für die Spieler quasi der „Meeting Point“. „Da sind nicht nur die Jungs da, die gerade behandelt werden, sondern auch meistens noch ein paar andere Athleten – einfach um sich ein bisschen zu unterhalten“, erzählt Teusch. Der Laptop von Physio Russ ist die Video-Station, die Betreuer sind Ansprechpartner, wenn die Aktiven doch mal was auf dem Herzen haben. „Aber die Jungs sind diesmal viel entspannter, als bei vergangenen Turnieren. Sie kommen weniger mit Kleinigkeiten, sind einfach stabiler und belastbarer“, sagt Teusch. Die Jungs sind schlicht topfit – und bereit für die nächsten Tage.

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