„Ich habe zehn Jahre auf diesen Moment gewartet.“ – Für Baseball-Deutschland waren es ein paar Jahre mehr

Das deutsche Team entspannte sich nach der Bronze-Jubelfeier beim Finale (Foto: Schramm)

Stuttgart (tkd). Eine entspannte deutsche Mannschaft schaute sich am Sonntag das Finale zwischen Italien und den Niederlanden an. Die Nationalspieler machten dabei den Eindruck, dass der Stolz auf die erste Medaille seit mehr 35 Jahren überwog und keiner mehr einen Gedanken an die verpasste Chance verschwendete.

„Man muss im Baseball jeden Tag einzeln betrachten. Nur so kann man am Ende erfolgreich sein,“ so hatte es Bundestrainer Greg Frady am Vorabend auf der Pressekonferenz bilanziert. Betrachtet man nun die einzelnen Tage, dann hat die  Nationalmannschaft in diesem Turnier alles geboten, was den Baseballsport ausmacht.

Gegen die Ukraine erledigte Deutschland die Pflichtaufgabe souverän und setzte mit Simon Gührings Homerun auch offensiv das erste Ausrufezeichen beim 10:0 in Stuttgart. Der zweite Tag zeigte dann eine clevere deutsche Mannschaft gegen die tapfer kämpfenden Tschechen. Erstmals zeigte das Team eine Fähigkeit, die in diesem Turnier noch von Bedeutung sein sollte. „Es ist uns oft gelungen bei zwei Aus die wichtigen Hits zu landen,” so das Lob von Frady, welches sich auch bei anderen Partien anbringen ließ. Das Spiel gegen Belgien rückte dann den alten Neuling ins Rampenlicht. Shortstop Edward Martinez sorgte mit seinem beiden Homeruns für den dritten Sieg in Folge.

Viel zu Jubeln gab es für Deutschland, hier C. Howards Homerun gegen Griechenland (Foto: Drobny)

Den ersten Dämpfer brachte das oft erwähnte Tief „Silke“. Land unter in Heidenheim und das Duell mit den Niederlanden musste ins Wasser fallen. So waren die Franzosen der nächste Gegner der Deutschen. Matchwinner Robert Gruber fasste den dramatischen 10:9-Sieg so zusammen: „Wir hatten ein schlechtes Inning. Aber wir wussten, dass wir wegen eines schlechten Innings nicht verlieren werden. Wir wussten, dass wir zurück kommen.” Frady hatte trotz des französischen 8-Run-Innings keine Bedenken über den Ausgang: „Das Inning mit den acht Runs war ein Desaster. Aber wir sind mittlerweile so gefestigt, dass wir solche Rückschläge wegstecken können. Wir sind ruhig geblieben.“

Der Auftritt gegen die Niederländer sollte trotz des Ergebnisses der größte in diesem Turnier sein. „Es war ein sehr ungewöhnliches Spiel für uns und wir sind sehr froh es am Ende noch gewonnen zu haben,“ so lautete der Ritterschlag von Jim Stoeckel (Trainer der Niederlande) nach dem chaotischen Spiel in Heidenheim. Die Griechen mussten dann unter dem Frust der deutschen über die Niederlage leiden. 17:8 gingen die Jungs vom Mittelmeer gegen die deutsche Offensive unter und wieder gelang Fradys Truppe ein Großteil der Punkte bei zwei Aus.

Gegen Italien hatte man Alles gegeben, aber es reichte nicht zum Finale (Foto: Eisenhuth)

„Wir werden alles auf dem Feld geben und Italien ein guter Gegner sein. Es würde viel für den deutschen Baseball bedeuten,“ orakelte Frady vor dem Spiel gegen Italien. Die Partie sollte mit zu den spannendsten des ganzen Turniers werden. Immer wieder legte Deutschland vor, doch immer wieder hatten die Italiener eine Antwort und nutzten eiskalt ihre Chancen. „Ich bin zwar enttäuscht, aber auch stolz auf das Team,“ waren die Worte des Trainers nach der unglücklichen Niederlage.

Damit blieb Deutschland noch die Chance auf Bronze im letzten Spiel gegen Schweden. Und obwohl Frady zugeben musste: „Es war die beste schwedische Mannschaft gegen die wir in den letzten Jahren gespielt haben,“ endete das Turnier mit der ersten Bronzemedaille für Deutschland seit der Europameisterschaft in Barcelona 1975 und mit einigen Rekorden. Jendrick Speer ist nun alleiniger Rekordnationalspieler und wurde nach der Siegerehrung noch als bester defensiver Spieler des Turniers ausgezeichnet. Den zweiten Rekord knackte Dominik Wulf. Der zukünftige Arzt ist nun der erste deutsche Nationalspieler, der eine zweistellige Zahl an Homeruns bei Welt- und Europameisterschaften geschlagen hat. Klaus Hopfensperger fasst die überschwängliche Freude am besten in Worte: “Ich habe zehn Jahre auf diesen Moment gewartet,” platzte es nach dem Spiel aus dem Regensburger heraus.

Nach den tollen Leistungen seines Teams genoss auch Frady das spannende Finale zwischen Italien und den Niederlanden und den Lohn für die harte Arbeit der letzten Jahre. „Troy Williams ist der Einzige, der in den sieben Jahren als Bundestrainer mit dabei ist und daher auch weiß, wie viel Arbeit da drin steckt,“ so erklärte der Amerikaner den direkten Weg zu seinem Assistanztrainer nach dem Spiel gegen Schweden. „Ich bin mir sicher, dass meine Mannschaft sehr glücklich und zufrieden mit dem Turnier sind, auch wenn es nicht zum Finale gereicht hat. Wir haben wieder eine höheren Platz im europäischen Baseball eingenommen,“ war Frady äußerst zufrieden mit den zehn Tagen in Stuttgart, Heidenheim und Neuenburg.

Die Frage nach dem Ausblick über die Zukunft erübrigt sich bei Frady. „Sie wissen doch, was ich immer sage: Alles ist möglich und man sollte sich keine Grenzen setzen, wenn die Möglichkeit besteht diese zu überschreiten.“ Und so kann man davon ausgehen, dass Greg Frady jetzt schon darüber grübelt, wie Deutschland den nächsten Schritt nach vorne machen kann.

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